In Salons von Paris bis New York verdrängt eine neue Glättungsbehandlung zunehmend die Ära kerzengerader Haare, die stark mit Chemikalien behandelt werden.
Friseure schwärmen von „Nanoplasty“, einer Behandlung, die Haare glätten, kräftigen und ihnen mehr Glanz verleihen soll – ohne die aggressiven Chemikalien, die Brazilian Blowouts einen so umstrittenen Ruf eingebracht haben.
Vom Brazilian Blowout zur Nanoplasty: Das verändert sich
Seit mehr als zehn Jahren gilt der Brazilian Blowout als bevorzugte Lösung für Menschen, die genug von Frizz, Locken oder täglichem Glätten haben. Das Versprechen war eindeutig: monatelang glattes Haar und deutlich weniger Stylingaufwand.
Ebenso eindeutig war die Kontroverse. Viele Rezepturen enthielten Formaldehyd oder ähnliche Stoffe, die beim Erhitzen mit dem Glätteisen Dämpfe freisetzen. Das führte wiederholt zu gesundheitlichen Bedenken – sowohl bei Kundinnen und Kunden als auch bei Fachkräften.
Nanoplasty kommt als Glättungsbehandlung auf den Markt, die sich nicht vorrangig als chemische Abkürzung verkauft, sondern eher als intensives Reparaturritual mit glättendem Nebeneffekt.
Statt klar in die Kategorie „chemische Haarglättung“ zu fallen, wird Nanoplasty als Hybrid positioniert: zur Hälfte intensive Pflege, zur Hälfte lang anhaltende Glättung.
Was Nanoplasty tatsächlich mit dem Haar macht
Nanoplasty-Rezepturen kombinieren meist Aminosäuren, Vitamine und Kollagen. Diese Inhaltsstoffe sind aus der Haarpflege bereits dafür bekannt, die Haarfaser zu stärken, ihre Elastizität zu verbessern und geschädigte Schuppenschichten zu umhüllen.
Nach den Protokollen in Salons soll der Wirkstoffkomplex nicht nur die äussere Schuppenschicht durchdringen, sondern bis in den Kortex gelangen. Dieser innere Bereich des Haarschafts bestimmt Festigkeit und Form. Dort soll die Behandlung zwei Effekte gleichzeitig erzielen: die natürliche Haarstruktur entspannen und die Haarstruktur festigen.
Das erklärte Ziel ist nicht lediglich glattes Haar, sondern Haar, das sich weicher anfühlt, glänzender aussieht und weniger bricht, während es vier bis sechs Monate lang geschmeidiger bleibt.
Anders als bei vielen klassischen Glättungssystemen heben in Europa und Nordamerika vermarktete Nanoplasty-Behandlungen hervor, dass sie ohne Formaldehyd und vergleichbar aggressive Stoffe auskommen. Das bedeutet nicht automatisch „100 % sicher“ oder „100 % natürlich“, zeigt jedoch deutlich, wie sich die Vermarktung von Glättungsservices verändert.
Ein natürlicheres Ergebnis statt extrem glatter Haare
Eines der wichtigsten Verkaufsargumente ist das Finish. Während ältere Behandlungen Haare oft starr und schnurgerade wirken liessen, soll Nanoplasty noch etwas Bewegung bewahren. Wellen werden geglättet, statt vollständig flachgebügelt zu werden.
Wer den „strohigen“ Effekt intensiver Glättungen nicht mag, sucht häufig genau dieses Ergebnis: weniger Frizz, weniger Volumen am Ansatz, aber weiterhin etwas Sprungkraft und Form in den Längen.
Für viele bedeutet das zugleich, dass sie seltener zum Glätteisen greifen müssen. Dessen täglicher Einsatz bei hoher Temperatur ist selbst eine wesentliche Ursache für Trockenheit und Haarbruch.
Für wen Nanoplasty geeignet ist – und wer genauer abwägen sollte
Friseure empfehlen Nanoplasty häufig bei:
- welligem oder frizzigem Haar, das bei Luftfeuchtigkeit aufquillt
- Locken, die regelmässig mit Hitzetools geglättet werden
- langem Haar mit trockenen, porösen Längen
- Haar, das durch wiederholtes Färben oder Strähnen geschädigt ist
Bei sehr festen Locken oder stark gelocktem Haar kann das Ergebnis eher eine Lockerung der Struktur sein als ein spiegelglatter Effekt. Manche bevorzugen dies, um die Textur weicher zu machen und dennoch einen Teil des Lockenmusters zu erhalten.
Bei extrem brüchigem oder chemisch stark überbehandeltem Haar ist weiterhin Vorsicht angebracht. Selbst wenn die Rezeptur weniger aggressiv ist, erfordert der Glättungsschritt Temperaturen von über 200 °C, die bereits geschwächte Haarsträhnen zusätzlich belasten können.
So läuft eine Nanoplasty-Behandlung im Salon ab
Nanoplasty ist keine schnelle Zusatzleistung nach dem Motto Waschen und Loslegen. In den meisten Salons wird dafür ein Termin von mehreren Stunden eingeplant.
| Schritt | Was passiert |
|---|---|
| 1. Tiefenreinigung | Das Haar wird shampooniert, um Öle, Silikone und Stylingrückstände zu entfernen. Auf Conditioner wird verzichtet. |
| 2. Auftragen | Das Nanoplasty-Produkt wird Strähne für Strähne vom Ansatz bis in die Spitzen verteilt, damit alles gleichmässig bedeckt ist. |
| 3. Einwirkzeit | Die Rezeptur bleibt je nach Haarlänge, Dichte und Struktur 40–60 Minuten im Haar. |
| 4. Ausspülen und Föhnen | Das Haar wird leicht ausgespült und anschliessend geföhnt, um es auf den Glättungsschritt vorzubereiten. |
| 5. Glätten mit dem Glätteisen | Die einzelnen Partien werden mehrfach mit einem auf etwa 220–230 °C erhitzten Glätteisen bearbeitet, damit die Wirkstoffe versiegelt werden. |
Nach dem Termin wird Kundinnen und Kunden in der Regel geraten, zwei bis drei Tage lang Wasser, Schwitzen und festes Zusammenbinden der Haare zu vermeiden. Diese Ruhephase ermöglicht es der Behandlung, sich entlang des Haarschafts vollständig zu stabilisieren.
Die Pflegephase danach entscheidet oft darüber, ob das Ergebnis eher vier Monate hält oder sich näher an sechs Monate heranreicht.
Wie lange das Ergebnis hält – und wie es gepflegt wird
Die meisten Salons geben eine Wirkungsdauer von vier bis sechs Monaten an. Wie lange das Ergebnis tatsächlich anhält, hängt stark vom Haartyp, der Waschhäufigkeit und den anschliessend verwendeten Produkten ab.
Shampoos mit vielen Sulfaten können die Behandlung schneller auswaschen. Auch stark reinigende Shampoos, Salzwasser und häufige Aufenthalte im Chlorwasser eines Schwimmbads verkürzen die Haltbarkeit des glättenden Effekts.
Viele Friseure empfehlen daher milde, sulfatfreie Shampoos und reichhaltige Conditioner. Werden weiterhin Stylinggeräte verwendet, kommen Hitzeschutzsprays hinzu.
Nanoplasty vs. Brazilian Blowout vs. „Hair Botox“
Die Beautybranche bietet inzwischen eine Reihe ähnlich klingender Dienstleistungen an. Für Verbraucherinnen und Verbraucher können die Begriffe verwirrend sein, besonders wenn Marketing die Unterschiede verwischt. Grundsätzlich gilt:
- Brazilian Blowout: klassische, lang anhaltende Glättungsbehandlung, die in einigen Märkten historisch mit formaldehydhaltigen Rezepturen verbunden ist.
- Hair Botox: eher eine intensiv pflegende Behandlung, die geschädigte Schuppenschichten auffüllen und glätten soll, aber nur einen leichten Glättungseffekt bietet.
- Nanoplasty: liegt zwischen beiden Ansätzen und verspricht eine deutlich sichtbare Glättung, die stärker über Pflege und weniger über aggressive Chemie positioniert wird.
In der Praxis unterscheiden sich Rezepturen und Bezeichnungen je nach Marke und Land erheblich. Wer Allergien, Asthma oder eine empfindliche Kopfhaut hat, sollte im Salon unbedingt direkt nach Inhaltsstoffen, Dämpfen und den verwendeten Temperaturen fragen.
Was „Aminosäuren“ und „Kollagen“ wirklich bewirken
Marketingmaterialien für Nanoplasty stellen häufig Aminosäuren und Kollagen heraus. Sie sind keine Wundermittel, erfüllen jedoch klar definierte Funktionen.
Aminosäuren sind die Bausteine von Keratin, dem wichtigsten Protein des Haares. Äusserlich angewendet können sie die Feuchtigkeitsversorgung und Flexibilität verbessern. Dadurch brechen Haarsträhnen unter Zug oder Hitze weniger leicht.
Kollagen wirkt dagegen hauptsächlich an der Oberfläche. Es kann das Haar umhüllen, ihm ein glatteres Gefühl und ein glänzenderes Aussehen verleihen sowie die Rauigkeit verringern, die Frizz begünstigt. Es „baut“ das Haar nicht von Grund auf neu auf, kann geschädigten Längen aber ein gleichmässigeres, glänzendes Finish geben.
Für viele Kundinnen und Kunden liegt die eigentliche Veränderung nicht im wissenschaftlichen Fachjargon, sondern in der einfachen Erfahrung, dass sich das Haar leicht ausbürsten lässt, schneller trocknet und im Alltag weniger Aufwand verlangt.
Mögliche Risiken und Fragen an den Friseur
Auch wenn Nanoplasty als sanftere Option vermarktet wird, bleibt sie eine chemische Behandlung in Verbindung mit sehr hoher Hitze. Menschen, die zu Kopfhautreizungen, durch Produktdämpfe ausgelösten Migräneanfällen oder allergischen Reaktionen auf kosmetische Inhaltsstoffe neigen, sollten vorsichtig vorgehen.
Vor der Buchung sind unter anderem diese Fragen sinnvoll:
- Setzt das Produkt beim Glätten Dämpfe frei, und wie wird der Raum belüftet?
- Ist die Rezeptur frei von Formaldehyd und verwandten Verbindungen?
- Welcher Mindestabstand zwischen Färbeterminen und Nanoplasty wird empfohlen?
- Wie oft wird jede Haarpartie mit dem Glätteisen bearbeitet?
- Welche Pflegeprodukte sind geeignet, und welche sollten vermieden werden?
Auch der Preis spielt eine Rolle. Da es sich um eine Fachbehandlung handelt, die mehrere Stunden dauern kann, zählt Nanoplasty in Salonpreislisten häufig zu den teureren Leistungen – besonders bei langem oder sehr dichtem Haar.
Alltagssituationen: Wer besonders profitieren könnte
Für jemanden mit schulterlangem, von Natur aus welligem Haar, das bei jedem Regen frizzig wird, kann Nanoplasty bedeuten, mit luftgetrocknetem Haar aus dem Haus zu gehen und dennoch gepflegt auszusehen. Die Welle bleibt teilweise erhalten, jedoch ohne den Kranz aus abstehenden Härchen.
Ein vielbeschäftigtes Elternteil, das früher jeden Morgen 30 Minuten mit dem Glätteisen verbrachte, könnte die Routine auf kurzes Durchbürsten und einen Sprühstoss Hitzeschutz für gelegentliche Stylingkorrekturen reduzieren.
Andererseits könnte jemand, der die eigenen Locken an den meisten Tagen gerne trägt und nur gelegentlich leichter glätten möchte, eine mildere Behandlung wie Hair Botox bevorzugen. Diese unterstützt die Pflege, ohne die Haartextur so deutlich zu verändern.
Für alle, die über eine Glättungsbehandlung nachdenken, erweitert Nanoplasty das Angebot um eine weitere Möglichkeit: weniger kompromissloses, extrem glattes Haar um jeden Preis, sondern mehr abgestimmte Kontrolle über Frizz, Glanz und Stylingzeit – mit Blick auf die langfristige Gesundheit der Haarfaser.
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