1. Jedem Outfit mehr Struktur verleihen
„Wenn es um eine sofortige Veränderung geht, funktionieren Schulterpolster in fast jedem Kleidungsstück immer“, sagt Promi-Stylistin Deborah Sheridan-Taylor.
Ob in einem Pullover, einer Bluse, einem Blazer oder sogar einem Mantel: Die Silhouette wirkt dadurch unmittelbar klarer und schlanker.
„Man kann förmlich zusehen, wie sich der wahrgenommene Preis vervielfacht“, sagt sie. Während die Schulterpartie der Achtziger die Laufstege der Fashion Weeks prägt, sorgt die zusätzliche Form zugleich für eine markantere Schulterlinie. Dadurch erscheinen Taille und Gesamtproportionen durchdachter – und damit hochwertiger.
Auch Luxusmode-Stylistin Oriona Robb findet, dass kleine Anpassungen der Proportionen entscheidend sind. „Es geht darum, den Eindruck zu vermitteln, dass du es ganz bewusst so tragen wolltest“, sagt sie.
„Ein halb in den Bund gestecktes Oberteil, sorgfältig hochgeschobene Ärmel, ein Gürtel oder andere Schuhe können ein Outfit plötzlich fertig gestylt und teurer wirken lassen.“
2. Änderungsschneiderei ist unverzichtbar
Viele glauben, Kleidung ändern zu lassen, lohne sich nur bei hochwertigen Anschaffungen. Doch selbst wenn man eine Jeans von der High Street enger schneiden lässt, kann sie aussehen, als hätte sie das Dreifache gekostet.
Sheridan-Taylor beschreibt Änderungen als „transformativ, unverzichtbar und massiv unterschätzt“.
Besonders wichtig sei die Hosenlänge. „Selbst die luxuriöseste Hose kann unvorteilhaft wirken, wenn sie zu kurz gesäumt wurde. Entweder extralang oder gar nicht.“
Sie rät ausserdem zu dezenten Änderungen: Ärmel neu zu formen – was sie „banana-ing“ nennt, also ein Bündchen in einen geschwungenen Saum zu verwandeln –, einen Blazer in der Taille enger zu nehmen oder voluminöse Taschenbeutel aus Hosen zu entfernen, damit die Vorderseite glatter fällt.
Robb verweist auf vergleichbare Feinheiten. „Wenn Hosen sich stauchen oder über den Boden schleifen, sieht es sofort nicht richtig aus.
Bei Schnitten von der High Street sind Arme und Beine oft kürzer, um Stoffkosten zu sparen. Das kann ein Kleidungsstück schnell günstiger wirken lassen, etwa wenn die Ärmel zu kurz sind.
Kleidung zu verlängern ist bei Änderungen jedoch schwieriger. Deshalb empfehlen die Stylistinnen, eher eine grössere Grösse zu kaufen und die Stücke anschliessend kürzen oder säumen zu lassen.
Eine gute Änderungsschneiderei kann einem durchschnittlichen Teil eine massgeschneiderte Wirkung geben.
3. Für einen besseren Fall eine Grösse grösser wählen
Daran knüpft eine Regel an, die Sheridan-Taylor besonders oft wiederholt: „Eine Grösse grösser kaufen.“
„Wenn Stoff unter Spannung steht, wird jede Schwäche sichtbar – Nähte, Futter, Verarbeitung. Das senkt den wahrgenommenen Wert sofort“, erklärt sie.
Eine Nummer grösser – gelegentlich sogar zwei – lässt den Stoff fallen, statt ihn am Körper haften zu lassen.
Die Silhouette wird fliessender und entspannter und wirkt letztlich hochwertiger. Anschliessend können gezielte Anpassungen die Passform verfeinern.
Robb zufolge lassen Kleidungsstücke, die darunter nicht richtig sitzen oder sich zu eng anfühlen, einen Look sofort billiger erscheinen.
Deshalb sollte die Grösse auf dem Etikett ignoriert und beim Anprobieren auf die Linien geachtet werden. Da diese je nach Geschäft unterschiedlich ausfallen können, ist das Anprobieren vor Ort unerlässlich.
4. Stoffe bewusst auswählen
„Der Stoff verrät es meistens“, sagt Robb.
Kleidungsstücke mit Gewicht und Struktur – etwa Hemden aus richtigem Baumwollstoff, 100 % Wolle oder Leinen – behalten in der Regel ihre Form und sehen auf Fotos gut aus.
Sheridan-Taylor würde stets lieber gebrauchte Luxusmode als mittelmässige Neuware kaufen. Dabei bevorzugt sie Naturfasern wie Kaschmir, Kamelhaar, Merinowolle, Seide und Gabardine.
Synthetische Stoffe können, wie sie erklärt, am Körper ungünstig sitzen und werden durch das Tragen selten besser. „Naturfasern werden weicher und entwickeln Charakter.“
Auch Muster verdienen Aufmerksamkeit.
„Muster von der High Street sind oft zu leicht wiederzuerkennen und wirken schnell veraltet“, sagt sie. Kräftige Unifarben sehen meist zeitloser und dadurch teurer aus.
5. Eine tonale Farbpalette beherrschen
Muster führen zum Thema Farbe, denn sie kann den wahrgenommenen Wert stärker steigern, als man vielleicht vermutet.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass ein tonaler Look – also von Kopf bis Fuss bei einer Farbe zu bleiben – der schnellste Weg zu einem hochwertigen Finish ist“, sagt Sheridan-Taylor.
Tonal bedeutet nicht monochrom. Statt alles in exakt derselben Farbe zu tragen, lassen sich etwa Kreide mit Elfenbein, Oliv mit Moosgrün oder Marineblau mit Kobaltblau kombinieren.
Robb stimmt zu, dass reduzierte Farbkombinationen am besten funktionieren. „Cremetöne, Brauntöne, sanfte Grautöne und Marineblau wirken übereinander getragen mühelos und zeitlos.“
Das heisst nicht, dass kräftige Farben vollständig vermieden werden sollten. Sheridan-Taylor empfiehlt, unerwartete Nuancen zu kombinieren, dabei aber innerhalb primärer, sekundärer und tertiärer Farbpaletten zu bleiben – zum Beispiel einen braunen Bleistiftrock mit einem oxfordblauen Hemd und einem tomatenroten Strickteil.
So bleibt die Kombination harmonisch, statt chaotisch zu wirken.
6. Accessoires die Hauptarbeit übernehmen lassen
Über Accessoires sagt Sheridan-Taylor: „Eine absolut zentrale und völlig unterschätzte Rolle.“
Übergrosse, von den Siebzigern inspirierte Sonnenbrillen oder kleine Fassungen im Stil der Neunziger können ein Outfit sofort aufwerten.
Mehrlagiger Schmuck aus verschiedenen Metallen, auffällige Ohrringe oder lange Anhänger verleihen Fülle und Tiefe.
Broschen, die anstelle einfacher Knöpfe getragen werden, können einer klassischen Strickjacke einen cooleren und gehobeneren Eindruck geben.
Gürtel sind laut Robb ein weiteres Mittel, um Struktur zu schaffen und Proportionen vorteilhaft zu unterbrechen.
Eine Vintage-Ledertasche mit natürlicher Patina kann zusammen mit schlichten Jeans und einem weissen T-Shirt die Lücke zwischen High Street und High End schliessen.
7. Kleine Fehler vermeiden
Ein Outfit wird am schnellsten geschwächt, wenn es zu kompliziert gestaltet ist.
„Falten, abgetragene Schuhe, zu viele übereinander geschichtete Trends“, nennt Robb als Elemente, die einen Look günstiger wirken lassen können.
„Die Outfits, die am teuersten wirken, sind häufig die einfachsten.“ Deshalb ist es entscheidend, in Basics wie hochwertige T-Shirts aus Baumwolle zu investieren.
Sheridan-Taylor warnt zudem vor einem Look, der von Kopf bis Fuss von der High Street stammt. Ein Vintage-Stück – sei es eine Bluse aus den Siebzigern oder eine Tasche aus den Achtzigern – verleiht Individualität, die Fast Fashion nicht nachbilden kann.
Teuer auszusehen hat letztlich nichts mit Logos oder Labels zu tun. Entscheidend sind Proportionen, Stoff, Farbe und Pflege.
Wie beide Stylistinnen nahelegen, wirkt ein Outfit immer hochwertig, wenn es einzigartig aussieht.
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