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Primark bringt adaptive Bademode und Freizeitkleidung für Menschen mit Behinderung

Gruppe bunter Badeanzüge am Strand, inklusive einer Frau im Rollstuhl, Wasser und Sonnenlicht sichtbar.

Ein großer Modehändler geht einen Schritt, der den Alltag und Urlaub vieler Menschen mit Behinderung spürbar erleichtern könnte.

Während zahlreiche Marken noch darüber diskutieren, wie inklusive Mode aussehen sollte, bringt Primark eine neue Kollektion in die Geschäfte. Die adaptive Bademode und Freizeitkleidung wurde ausdrücklich für Menschen mit Behinderung entworfen und soll Funktionalität, erschwingliche Preise und modisches Design verbinden.

Warum adaptive Bademode den Unterschied machen kann

Menschen, die auf medizinische Zugänge, Stomabeutel oder bestimmte Hilfsmittel angewiesen sind, kennen die Schwierigkeiten mit herkömmlicher Bademode. Oft sitzt sie nicht richtig oder macht bereits das Umziehen zu einer belastenden Aufgabe. Deshalb meiden einige den Pool ganz oder fühlen sich am Strand unwohl, weil sie ständig auf Schläuche, Beutel oder verrutschende Stoffe achten müssen.

Adaptive Bademode versucht genau diese Hürden zu reduzieren – ohne den Trägerinnen und Trägern das Gefühl zu geben, „anders“ angezogen zu sein.

Mit der neuen Linie richtet sich Primark gezielt an diese Kundengruppe. Im Mittelpunkt steht ein schwarzes Tankini-Set, das auf den ersten Blick wie gewöhnliche Bademode aussieht, aber mehrere praktische Details bietet.

Primark Tankini: dezente Optik, praktische Funktionen

Der neue Tankini präsentiert sich bewusst schlicht: schwarzer Stoff und ein klassischer Schnitt sorgen für eine unauffällige Optik. Seine Besonderheiten zeigen sich erst bei der Verarbeitung:

  • Seitliche Öffnungen für Zugänge, etwa Ernährungssonden oder Katheter
  • Verdeckte Ziehhilfen am Bund, damit sich der Stoff einfacher anheben oder ausrichten lässt
  • Mehr Bewegungsfreiheit durch sorgfältig platzierte Nähte und weiche Materialien

Die Oberteile liegen im niedrigen zweistelligen Preisbereich, ebenso die dazugehörigen Höschen. Damit bewegt sich Primark in der Preisklasse, für die die Handelskette bekannt ist. Gerade für Familien mit begrenztem Budget kann das eine wichtige Rolle spielen.

Adaptive Bademode ist Teil einer größeren Kollektion

Die Bademode bildet nur einen Baustein der neuen Sommererweiterung. Inzwischen umfasst die adaptive Kollektion für Frauen und Männer ein kleines, jedoch wachsendes Angebot. Derzeit gehören unter anderem folgende Artikel dazu:

  • Tankini-Oberteil
  • Tankini-Unterteil
  • Weites Jersey-T-Shirt aus Baumwolle in Hellblau (Damenschnitt, XS bis XXL)
  • Locker geschnittenes Pyjama-Oberteil in Blau (XXS bis XXL)
  • Passende Pyjama-Hose aus Jersey (XXS bis XXL)
  • Adaptive Stoma-Slips mit tropfenhemmender Technologie

Ergänzt wird das Sortiment durch bereits eingeführte adaptive T-Shirts, Jeans und weitere Basics. Diese Artikel markierten vor mehr als einem Jahr den Beginn der Produktlinie.

Wofür adaptive Stoma-Slips gedacht sind

Für viele Patientinnen und Patienten dürften besonders die speziell entwickelten Slips für Menschen mit Stoma relevant sein. Sie sollen den Beutel besser halten und zugleich dezenter verdecken. Eingearbeitete tropfenhemmende Bereiche können ein sichereres Gefühl vermitteln, vor allem wenn keine Toilette in der Nähe ist oder schnelle Bewegungen erforderlich sind.

Produkt Besonderes Merkmal Einsatzbereich
Tankini Seitliche Zugangsöffnungen, Ziehhilfen im Bund Schwimmbad, Strand, Reha
Adaptive Pyjamas Lockerer Schnitt, weicher Jersey Krankenhausaufenthalt, Reha, Alltag zu Hause
Jersey-T-Shirts Weite Form, bequeme Nähte Alltag, Therapie, Freizeit
Stoma-Slips Stützfunktion, tropfenhemmende Zonen Unterwäsche im Alltag, unterwegs, auf Reisen

Kunden-Feedback beeinflusst die Kollektion maßgeblich

Primark hebt hervor, dass die Linie nicht ausschließlich am Schreibtisch entwickelt wurde, sondern gemeinsam mit Betroffenen. Seit dem Start der ersten Artikel im Jahr 2025 habe das Team nach eigener Aussage „sehr viel von Kundinnen und Kunden gelernt“. Erfahrungen aus dem Alltag seien in Schnitt, Materialwahl und die Reihenfolge der Produkte eingeflossen.

Die Botschaft aus der Community: Kleidung muss sich an den Alltag anpassen – nicht umgekehrt.

Der Wunsch nach Bademode stand offenbar früh weit oben auf der Liste. Gerade die Urlaubszeit und die Freibadsaison schaffen zusätzliche Herausforderungen: hohe Temperaturen, lange Tage außer Haus, nasse Stoffe und fehlende Möglichkeiten, sich ungestört umzuziehen.

Zusammenarbeit mit Victoria Jenkins für adaptives Design

Bei der Entwicklung arbeitet Primark mit der britischen Designerin Victoria Jenkins zusammen, die sich seit Jahren auf adaptive Mode konzentriert. Sie vereint Erfahrung im Modedesign mit einem klaren Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung.

In sozialen Netzwerken präsentierte sie die neuen Stücke und unterstrich, dass Funktionalität allein nicht genügt. Trends, Farben und Stil seien ebenfalls wichtig, denn Menschen mit Behinderung hätten denselben Anspruch an Mode wie alle anderen.

Adaptive Mode soll nicht nach „Spezialkleidung“ aussehen, sondern nach normaler Streetwear und Bademode – nur mit mehr durchdachten Funktionen.

Insbesondere bei jüngeren Menschen wächst der Wunsch nach Kleidung, die Hilfsmittel nicht zwangsläufig verbergen muss, sie aber auch nicht dauerhaft in den Mittelpunkt stellt. Ein Tankini, der wie ein gewöhnliches Kleidungsstück wirkt und dennoch Schläuche sicher aufnimmt, entspricht genau diesem Bedürfnis.

Verfügbarkeit der neuen Teile

Die adaptive Sommerkollektion ist in ausgewählten Geschäften in Großbritannien erhältlich. Dort können Kundinnen und Kunden die Artikel wie üblich vor Ort anprobieren oder sie über „Click & Collect“ im Voraus reservieren. Der Online-Einkauf erleichtert vielen Betroffenen die Auswahl, da sie in Ruhe beurteilen können, ob Schnitt und Funktion ihren medizinischen Anforderungen entsprechen.

Für den deutschsprachigen Raum ist die Situation weiterhin ungeklärt. Betroffene und Verbände fordern schon seit Längerem, dass große Handelsketten adaptive Mode nicht nur im Ausland anbieten, sondern sie auch flächendeckend in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar machen. Primarks Schritt könnte den Druck auf andere Händler erhöhen, vergleichbare Kollektionen aufzulegen.

Was adaptive Mode im Alltag ermöglichen soll

Der Ausdruck „adaptive Mode“ wird immer häufiger verwendet, bleibt jedoch oft unkonkret. Im Wesentlichen geht es darum, Kleidung an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anzupassen, ohne Menschen optisch zu stigmatisieren. Häufige Merkmale sind beispielsweise:

  • Verdeckte Reißverschlüsse oder Druckknöpfe anstelle von schwer zu bedienenden Knöpfen
  • Magnetverschlüsse, die sich mit einer Hand schließen lassen
  • Flache Nähte und weiche Materialien für empfindliche Haut
  • Speziell geformte Bereiche für Stomabeutel oder Katheter
  • Längere Reißverschlüsse an Hosenbeinen für Orthesen oder Prothesen

Im täglichen Leben kann das bedeuten, dass sich jemand wieder selbstständig anziehen kann, weniger Beschwerden durch drückende Nähte hat oder nicht ständig befürchten muss, dass Hilfsmittel verrutschen.

Chancen und Grenzen des Trends

Der Einstieg eines Billiganbieters in adaptive Mode hat zwei Seiten. Ein Vorteil besteht darin, dass die Produkte für viele Menschen überhaupt erst bezahlbar werden. Spezialisierte Nischenmarken kosten häufig deutlich mehr, weil sie in geringen Stückzahlen produzieren. Zugleich besteht das Risiko, dass Funktion und Haltbarkeit unter dem Preisdruck leiden.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher genau darauf achten, ob sich die Nähte angenehm anfühlen, Zugänge tatsächlich an den benötigten Stellen liegen und das Material auch im nassen Zustand nicht scheuert. Bei medizinischen Fragen kann es sinnvoll sein, behandelndes Fachpersonal oder Selbsthilfegruppen einzubeziehen, die Erfahrungen mit bestimmten Schnitten und Materialien haben.

Für viele Betroffene kann jedoch bereits ein erstes preiswertes Kleidungsstück einen wichtigen Unterschied machen. Wer sich im Tankini am Baggersee endlich wieder sicher genug fühlt, um schwimmen zu gehen, gewinnt ein Stück Lebensqualität zurück. Je sichtbarer dieser Bedarf im Massenmarkt wird, desto eher dürften weitere Marken folgen – mit einer größeren Größenauswahl, zusätzlichen Designs und hoffentlich auch einer Verfügbarkeit im deutschsprachigen Handel.

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