Wer beim Abnehmen an Sport denkt, hat oft Jogging, Fitnessstudio oder HIIT im Kopf. Doch an Stränden und Seen hat sich unauffällig eine weitere Bewegungsform durchgesetzt: Gruppen in Neoprenanzügen, die scheinbar entspannt durch das Wasser gehen. Hinter dem harmlosen Eindruck steckt ein überraschend wirksames Training gegen überschüssige Kilos und hartnäckige Cellulite.
Was sich wirklich hinter dem Trend Aquawalking verbirgt
Aquawalking, im Französischen häufig „Longe-Côte“ genannt, basiert auf einem einfachen Prinzip: Gehen im Wasser. Optimal ist ein Wasserstand zwischen Bauchnabel und Achselhöhle. Trainiert wird im Meer, in Seen oder größeren Badeseen, überwiegend in Gruppen und häufig mit Neoprenanzug.
Die Bewegungsabläufe erscheinen zunächst wenig spektakulär: Man bewegt sich schreitend gegen den Widerstand des Wassers, wahlweise mit oder ohne Stöcke. Gerade dieser Widerstand macht das Training jedoch aus. Während die Muskulatur deutlich stärker gefordert wird als an Land, erfahren Gelenke und Wirbelsäule zugleich eine erhebliche Entlastung.
Der Körper ist im Wasser spürbar leichter, die Belastung für Knie und Hüften sinkt – der Trainingseffekt bleibt.
Durch den Auftrieb im Wasser wird ein großer Teil des Körpergewichts getragen. Experten gehen davon aus, dass auf die Gelenke nur noch rund ein Zehntel des tatsächlichen Gewichts einwirkt. Für Menschen mit Übergewicht, Arthrose oder empfindlichen Knien ist das ein echter Vorteil: Sie können intensiv trainieren, ohne anschließend wegen schmerzender Gelenke auf dem Sofa zu sitzen.
Warum Aquawalking kein „Sport für Omas“ ist
Da an vielen Küsten vor allem ältere Menschen mit bunten Badekappen zu sehen sind, wird Aquawalking oft vorschnell als „Oma-Sport“ abgestempelt. Dieses Bild greift zu kurz, denn ausschlaggebend ist die Intensität. Wer gemütlich durchs Wasser schlendert, setzt selbstverständlich nur geringe Trainingsreize. Bei zügigem Tempo, aktivem Armeinsatz und echter Arbeit gegen die Wellen kommt man dagegen rasch außer Atem.
Dabei werden insbesondere folgende Bereiche beansprucht:
- Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur durch den kraftvollen Beinschub
- Bauch- und Rumpfmuskeln, welche den Körper im Wasser stabilisieren
- Rückenmuskeln für Haltung und Gleichgewicht
- Herz-Kreislauf-System durch die gleichmäßige Ausdauerbelastung
Mit zunehmender Wassertiefe steigt auch der Widerstand. Wer sich weiter ins tiefere Wasser bewegt, merkt bereits nach kurzer Zeit, wie intensiv Beine und Gesäß arbeiten. Deshalb berichten viele Teilnehmer schon nach einigen Wochen von einer strafferen Silhouette – auch wenn sich das Gewicht auf der Waage nicht drastisch verändert.
Kalorienverbrennung beim Aquawalking: Was tatsächlich möglich ist
Spezialisierte Sportseiten rechnen bei zügigem Aquawalking für eine Person mit etwa 70 Kilo mit ungefähr 500 bis 550 Kilokalorien pro Stunde. Damit liegt der Verbrauch auf dem Niveau eines lockeren Lauftrainings, bei deutlich geringerer Belastung für die Gelenke.
Entscheidend ist dabei die sogenannte Ausdauerzone. Sportpädagogen raten dazu, die Herzfrequenz auf etwa 60 bis 70 Prozent des persönlichen Maximums zu steigern. In diesem Bereich bezieht der Körper einen großen Anteil seiner Energie aus den Fettreserven.
Der ideale Bereich ist erreicht, wenn Sie deutlich stärker atmen, sich aber noch problemlos unterhalten können.
Im Wasser bedeutet das meist eine Geschwindigkeit von etwa 5 bis 8 km/h – und damit mehr Tempo, als viele zunächst vermuten. Um die Fettverbrennung wirklich zu erhöhen, sollte diese Intensität nach einer kurzen Aufwärmphase mindestens 45 Minuten beibehalten werden.
So kann eine typische Trainingseinheit aussehen
- 10–15 Minuten Aufwärmen: zügiges Gehen am Ufer oder in flacherem Wasser, einige leichte Kniehebeläufe und Armkreisen
- 30–45 Minuten Hauptteil: schnelles Gehen im Wasser bis zur Brusthöhe, Tempo konstant halten und dabei noch sprechen können
- 5–10 Minuten Auslaufen: das Tempo langsam senken und anschließend an Land leicht dehnen
Einsteiger starten besser mit kürzeren Wassereinheiten von 20 bis 30 Minuten und steigern die Dauer nach und nach. Für erste sichtbare Veränderungen genügen häufig zwei Trainingseinheiten pro Woche, optimal sind drei.
Wie Wassersport gegen Cellulite helfen kann
Neben dem Kalorienverbrauch bietet Aquawalking einen weiteren praktischen Nutzen: Das Wasser massiert den Körper sanft und dauerhaft. Bei jeder Bewegung drückt es gegen Beine, Gesäß und Hüften, sodass die Haut fortlaufend leicht durchgeknetet wird. Dieser Druck unterstützt den Lymphfluss und fördert die Durchblutung des Gewebes.
Genau darin liegt der mögliche Anti-Cellulite-Effekt. Eine bessere Durchblutung und stärkere Muskelspannung können die typischen Dellen an den Oberschenkeln sichtbar mildern. Viele Frauen berichten nach einigen Wochen, ihre Haut wirke glatter und ihre Beine fühlten sich „leichter“ an.
Die Kombination aus Widerstand, Massageeffekt und anhaltender Bewegung macht Aquawalking zu einem echten Allrounder für Figur und Hautbild.
Wunder über Nacht sind allerdings nicht zu erwarten. Wer regelmäßig ins Wasser geht und zugleich auf eine einigermaßen ausgewogene Ernährung achtet, kann schrittweise Fett reduzieren, das Bindegewebe stärken und einen strafferen Körper fördern.
Sicher mit Aquawalking ins Training einsteigen
Vor dem ersten Training sollten einige grundlegende Regeln beachtet werden:
- Geeigneten Ort wählen: einen ruhigen Strandbereich oder See mit flachem Einstieg, ohne starke Strömung und möglichst an einer bewachten Badestelle
- Ausrüstung prüfen: abhängig von der Wassertemperatur Neoprenanzug, Wasserschuhe für sicheren Halt und bei Kälte gegebenenfalls Handschuhe
- Nie allein starten: besonders im Meer stets mit Begleitung oder innerhalb einer geführten Gruppe trainieren
- Aufwärmen nicht vergessen: kalte Muskeln verletzen sich leichter, daher lohnt sich eine Vorbereitung von einigen Minuten
Menschen mit Herzerkrankungen, ausgeprägten Gelenkbeschwerden oder einer chronischen Erkrankung sollten das Vorhaben vorher kurz mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Die Einschätzung fällt meist positiv aus, da die Belastung vergleichsweise gelenkschonend ist.
Wie häufig ist Training für echte Veränderungen nötig?
Erfahrungswerte von Trainern zeigen, dass sich viele Teilnehmer nach etwa vier bis sechs Wochen regelmäßigem Aquawalking deutlich fitter fühlen. Die Ausdauer verbessert sich, Ruhepuls und Blutdruck sinken, und an Beinen sowie Taille werden erste optische Veränderungen erkennbar.
Ein möglicher grober Trainingsplan sieht folgendermaßen aus:
| Trainingswoche | Häufigkeit | Dauer pro Einheit | Ziel |
|---|---|---|---|
| 1–2 | 1–2 Mal pro Woche | 20–30 Minuten im Wasser | An Wassergefühl und Temperatur gewöhnen |
| 3–4 | 2 Mal pro Woche | 35–40 Minuten im Wasser | Tempo steigern, Puls in Ausdauerzone bringen |
| ab 5 | 2–3 Mal pro Woche | 45–60 Minuten im Wasser | Fettverbrennung und Straffung gezielt anregen |
Verwandte Aktivitäten und sinnvolle Ergänzungen
Wer Freude an Bewegung im Wasser entwickelt, kann Aquawalking sinnvoll mit weiteren schonenden Sportarten verbinden. Viele Trainingspläne kombinieren:
- Aquawalking oder Aquajogging für Ausdauer und Figur
- leichtes Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht für Rücken, Arme und Schultern
- Dehnübungen oder Yoga für Beweglichkeit und Entspannung
Diese Mischung erhöht nicht nur den Kalorienverbrauch, sondern kräftigt auch Gelenke und Rumpf. Besonders Personen, die beim klassischen Joggen immer wieder wegen Knie- oder Rückenproblemen aufgeben müssen, finden darin eine körperfreundliche Alternative.
Was Anfänger beim Aquawalking oft unterschätzen
Gerade zu Beginn werden zwei Faktoren häufig unterschätzt: Kälte und Strömung. Kaltes Wasser benötigt zusätzliche Energie und lässt die Herzfrequenz schneller ansteigen. Ein Neoprenanzug hält den Körper warm und kann die mögliche Trainingszeit deutlich verlängern. Selbst eine leichte Strömung kann die Anstrengung zudem erheblich erhöhen – vergleichbar mit Bergaufgehen im Wasser.
Mit einer Sportuhr zur Pulsmessung am Handgelenk lässt sich die Belastung gut kontrollieren. So erkennen Sie zuverlässig, ob Sie sich im angestrebten Bereich von 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz bewegen oder bereits deutlich darüber liegen.
Die größte Überraschung bleibt vielleicht: Von außen wirkt Aquawalking wie ein ruhiger Zeitvertreib für Senioren, tatsächlich bietet es aber einen ernstzunehmenden Trainingseffekt für Gewicht, Figur und Haut – vorausgesetzt, man bleibt konsequent und wählt kein allzu gemütliches Tempo.
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