Die Kultcreme im blauen Tiegel gehört zu unzähligen Badezimmern und kommt bei Ellenbogen, Händen oder trockenen Schienbeinen zum Einsatz. Doch wie bewährt sie sich als Gesichtspflege, wenn sie einem besonders strengen Test unterzogen wird? Eine Beauty-Autorin wollte es wissen und cremte eine Woche lang ausschließlich eine Gesichtshälfte großzügig mit Nivea ein.
Die blaue Nivea-Creme: Ein Klassiker für viele Zwecke
Die klassische Nivea-Creme ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil vieler Beauty-Regale. Ihr charakteristischer Duft, der unverkennbare Tiegel und persönliche Erinnerungen daran sind in zahlreichen Familien präsent. Besonders interessant ist, für wie viele Zwecke die Creme im Alltag verwendet wird.
- als After-Sun-Pflege bei leicht trockener und spannender Haut
- als Haarmaske für trockene Spitzen
- als beruhigende Pflege nach dem Rasieren oder Epilieren
- als schützende Schicht gegen Reibung zur Vorbeugung von Blasen
- als SOS-Pflege für raue Hände oder Fersen
Für viele ist sie längst ein Allrounder für den Körper. Bei der Gesichtspflege sind die Erwartungen jedoch gestiegen: Seren, Säuren, Retinol und Niacinamid prägen heute den Markt mit modernen Hightech-Produkten. Deshalb stellt sich die Frage, ob eine Creme mit einer im Kern seit Langem bestehenden Rezeptur im Gesicht weiterhin mithalten kann.
Selbstversuch mit Nivea auf nur einer Gesichtshälfte
Eine Beauty-Redakteurin ging dieser Frage nach. Für eine Woche verwendete sie abends eine dicke Schicht Nivea wie eine Nachtmaske – allerdings ausschließlich auf einer Gesichtshälfte. Dadurch konnte sie die Ergebnisse unmittelbar vergleichen.
An ihrer übrigen Routine änderte sie nichts: Sie reinigte das Gesicht sorgfältig, verwendete ein Serum, eine Augencreme und eine übliche Feuchtigkeitspflege. Die Nivea-Creme kam erst ganz zum Schluss als zusätzliche Lage darüber und wirkte damit wie ein versiegelnder Film.
Schon nach den ersten Nächten wirkte die eingecremte Gesichtshälfte morgens spürbar glatter und praller.
Nach wenigen Tagen stellte die Autorin mehrere Unterschiede fest:
- Auf der mit Nivea gepflegten Seite fühlte sich die Haut stärker mit Feuchtigkeit versorgt an.
- Kleine Trockenheitsfältchen erschienen etwas aufgepolstert.
- Die Hautoberfläche wirkte ebenmäßiger und weniger schuppig.
Der Grund dafür ist leicht erklärt: Die reichhaltige Textur legt sich als eine Art Schutzbarriere auf die Haut. Dadurch verliert sie in der Nacht weniger Feuchtigkeit – also in der Phase, in der sie sich ohnehin regeneriert und Zellen erneuert. Weil weniger Wasser nach außen entweicht, bleibt die Haut weicher und sieht morgens frischer aus.
Slugging mit Nivea: Die Trendmethode mit Fettfilm
Die Technik, bei der nach der üblichen Pflege eine dicke, okklusive Schicht aus Creme oder Salbe aufgetragen wird, ist online als Slugging bekannt. Häufig greifen Anwenderinnen und Anwender dafür zu Vaseline oder vergleichbaren Produkten. Die Autorin entschied sich stattdessen für die vertraute Nivea-Creme.
Die Idee dahinter ist nicht, dass die Creme allein „Wunder“ bewirken soll. Vielmehr soll sie die darunter verwendete Pflege besser in der Haut einschließen. Der Fettfilm schützt davor, dass die Haut über Nacht austrocknet.
Bei trockener und feuchtigkeitsarmer Haut kann diese Methode wie eine Vollkasko-Police wirken. Vor allem im Winter oder nach Tagen mit viel trockener Heizungsluft fühlt sich die Haut morgens häufig entspannter an, wenn sie so intensiv vor Feuchtigkeitsverlust bewahrt wird.
Wann die Methode problematisch werden kann
Ganz ohne Nachteile ist das Vorgehen jedoch nicht. Die Autorin berichtet, dass tägliches Slugging mit Nivea für sie langfristig zu intensiv wäre. Nach einigen Tagen zeigten sich kleine Unreinheiten in der T-Zone – also in dem Bereich, der bei ihr ohnehin schneller nachfettet und eher zu verstopften Poren neigt.
Wer zu Mischhaut oder Pickeln neigt, sollte Nivea als Nachtmaske eher sparsam und nicht täglich nutzen.
Wenn die Haut nicht gründlich genug gereinigt ist oder zu Verhornungen neigt, kann der dichte Fettfilm Talg und Schmutz stärker „einsperren“. Dadurch können sich leichter kleine Unterlagerungen oder Pickelchen bilden.
Wie häufig ist Nivea als Nachtmaske sinnvoll?
Das Fazit ihres Selbstversuchs ist für die Autorin eindeutig: Die Methode kann funktionieren, sollte aber maßvoll eingesetzt werden.
Sinnvolle Häufigkeit je nach Hauttyp:
| Hauttyp | Nivea als Nachtmaske |
|---|---|
| sehr trockene Haut | 1–2 Mal pro Woche in der kalten Jahreszeit |
| normale Haut | alle 1–2 Wochen als „Feuchtigkeits-Boost“ |
| Mischhaut | selten, nur auf trockenen Partien, z. B. Wangen |
| fettige, zu Akne neigende Haut | eher meiden oder nur punktuell auf extrem trockenen Stellen |
Anstatt das gesamte Gesicht jeden Abend dick einzucremen, ist ein gezieltes Vorgehen sinnvoller. Besonders trockene Bereiche – beispielsweise um die Nase, auf den Wangen oder am Hals – profitieren meist mehr als die ohnehin ölige Stirn.
Die blaue Nivea-Creme sinnvoll im Gesicht verwenden
Wer den Effekt aus dem Experiment selbst ausprobieren möchte, kann einige einfache Grundregeln beachten:
- Das Gesicht gründlich reinigen und Make-up vollständig entfernen.
- Ein leichtes Serum sowie eine normale Feuchtigkeitscreme auftragen.
- Nivea erst als abschließende Schicht verwenden und zunächst eher dünn auftragen.
- Nicht unmittelbar auf entzündete Pickel oder aktive Akne geben.
- Die Anwendungshäufigkeit langsam erhöhen und beobachten, wie die Haut reagiert.
Viele Dermatologinnen und Dermatologen betrachten reichhaltige, klassische Cremes in erster Linie als Schutzbarriere und weniger als Hightech-Produkt mit Wirkstoffen. Wer Retinol, Vitamin C oder Säuren verwendet, sollte diese Produkte zunächst entsprechend der Anleitung auftragen und Nivea nur als „Deckel“ darüber geben – sofern die Haut dies verträgt.
Weshalb der Klassiker dennoch zeitgemäß ist
Auch wenn Formulierungen mit Hightech-Inhaltsstoffen derzeit besonders gefragt sind, macht der Test eines deutlich: Ein einfacher, dichter Fettfilm kann trockener Haut erstaunlich viel bringen. Genau diesen Schutz liefert die blaue Creme bereits seit Generationen.
Sie ist kein Ersatz für gezielt entwickelte Seren gegen Pigmentflecken, Falten oder Rötungen. Als preiswerte und unkomplizierte Ergänzung kann sie die bestehende Routine jedoch unterstützen und die Haut vor Feuchtigkeitsverlust schützen. Wer nur ein begrenztes Budget hat, erhält damit eine robuste und einfache Basispflege.
Wann leichtere Produkte die bessere Wahl sind
Bei aller Nostalgie eignet sich die Creme nicht für jeden Hauttyp. Fettige oder stark unreine Haut kommt häufig besser mit leichten Gel-Texturen oder nicht komedogenen Cremes zurecht, die die Poren weniger belasten. Bei empfindlicher Haut lohnt sich zudem ein Blick auf die Inhaltsstoffe: Wer Duftstoffe nicht verträgt, könnte gereizt reagieren.
Interessant ist vor allem die Verbindung von Alt und Neu: Viele verwenden tagsüber moderne, leichte Pflege mit Antioxidantien und Sonnenschutz. Abends greifen sie gelegentlich zum blauen Tiegel, wenn die Haut spannt oder besonders trocken aussieht. Auf diese Weise lassen sich die schützenden Eigenschaften nutzen, ohne die Haut dauerhaft zu überfordern.
Der einseitige Nivea-Test zeigt vor allem eines: Die klassische Creme ist keineswegs „von gestern“ – sie sollte lediglich strategisch eingesetzt werden. Wer die eigene Haut kennt und auf ihre Reaktionen achtet, kann den Kulttiegel gezielt verwenden, statt ihn nur als nostalgische Erinnerung im Schrank aufzubewahren.
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