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12 Dinge, die Französinnen über 50 niemals im Kleiderschrank haben

Frau in gelbem Kleid und Blazer wählt Kleidung in einem hellen, organisierten begehbaren Kleiderschrank aus.

Als ich zum ersten Mal den Kleiderschrank einer Französin Mitte fünfzig öffnete, hatte ich sofort das Gefühl, dass etwas fehlte.

Keine überquellende Kleiderstange, keine Lawine aus Fehlkäufen vom Schlussverkauf, keine traurigen Glitzeroberteile, die auf einen „besonderen Anlass“ warteten, der nie eintreten würde. Stattdessen: Platz, Luft und Kleidung, die tatsächlich getragen wurde. Als ich sie fragte, wo der Rest sei, zuckte sie mit den Schultern und sagte: „Das ist der Rest.“

Seitdem habe ich heimlich in etliche französische Kleiderschränke geschaut – in kleinen Pariser Wohnungen ebenso wie in ruhigen Häusern in der Provence. Das Muster ist erstaunlich einheitlich. Entscheidend ist weniger, was sie besitzen, sondern was sie gar nicht erst hereinlassen. In diesem stillen Aussortieren liegt der Zauber. Und sobald man bemerkt, was fehlt, versteht man besser, woher diese besondere Form von Selbstsicherheit kommt.

1. Trendteile, die sie für die Zeit nach dem Abnehmen aufheben

Jede kennt diesen Moment: Man zieht ein Kleid hervor, das früher passte, und denkt sich: nächstes Jahr. Französinnen über 50 sind mit dieser Fantasie unerbittlich. Passt es heute nicht, bleibt es nicht. Keine „Motivationsjeans“, kein Kleid zwei Grössen kleiner, das vom Bügel herabstarrt wie die Erinnerung an einen Fitnessstudiovertrag.

Sie wissen, dass sich der Körper mit dem Leben verändert – durch Kinder, Trennungen, Wechseljahre, Abende mit Käse und Wein – und dass der Kleiderschrank sich ebenfalls verändern muss. Das heisst nicht, dass sie aufgeben; sie weigern sich nur, sich mit Stoff zu bestrafen. Kleidung wird entweder getragen oder verlässt das Haus, oft weitergegeben an eine Tochter, Nichte oder den Wohltätigkeitsladen um die Ecke. Diese Entscheidung hat etwas Sanftes, aber auch etwas Unnachgiebiges: Sie kleiden sich für ihr tatsächliches Leben, nicht für dessen Wunschversion.

2. Billige, labberige Fast Fashion, die nach einer Saison zerfällt

Betritt man den Kleiderschrank einer 55-jährigen Französin, fällt eines auf: Die meisten Stücke wirken hochwertig und solide. Knöpfe sind sauber angenäht, Nähte spannen nicht, Stoffe glänzen nicht in diesem verdächtigen Polyester-Schimmer. Das liegt nicht daran, dass alles teuer wäre, sondern an der stillen Weigerung, Kleidung zu kaufen, die nach drei Wäschen bereits verbraucht aussieht.

Sie erinnern sich an die Enttäuschung über den günstigen Pullover, der sofort Knötchen bekam, oder an das Kleid, dessen Farbe verblasste, noch bevor der Sommer vorbei war. Es ist besonders ärgerlich, wenn das eigene Geld einem buchstäblich vom Körper abblättert. Also warten sie. Sie kaufen weniger. Sie tragen Stücke wieder und wieder. Wieder der marineblaue Blazer, wieder die gute Hose. Der Reiz liegt in der Langfristigkeit: den Kleiderschrank nach fünf Jahren zu öffnen und noch immer nach derselben Jacke greifen zu wollen.

3. Vollgestopfte Schuhregale mit „fast passenden“ High Heels

Bei ihren Schuhen findet man keine zwanzig Paar Absätze, auf denen sie kaum laufen können. Meist gibt es eine kleine Familie gut eingetragener Favoriten: Loafer, Stiefeletten, vielleicht zwei Paar High Heels, mit denen sie über Kopfsteinpflaster gehen können, ohne sich an jemandem festklammern zu müssen. Bequemlichkeit ist längst kein schlechtes Gewissen mehr, sondern nicht verhandelbar.

Französische Schuhe in diesem Alter haben etwas Haptisches. Weiches Leder, Sohlen, die verraten, wie viel von Paris damit erlaufen wurde. Die schmerzhaften, hübschen Stilettos, die in ihren Dreissigern noch nach einer guten Idee aussahen? Weg. Verkauft, verschenkt, leise aussortiert. Sie sind an dem Punkt angekommen, an dem sie das Abendessen lieber geniessen, statt den ganzen Abend an ihre Zehen zu denken.

4. Taschen mit Markenlogos, die schon von der anderen Strassenseite schreien

Eine Französin Mitte fünfzig sieht man selten mit einer Tasche, die wie eine Litfasssäule wirkt. Diese Phase gehörte eher den jüngeren Jahren – der Reiz des Logos, das Gefühl, angekommen zu sein, weil der Schulterriemen es behauptete. Mit zunehmendem Alter verlieren viele die Geduld mit wandelnder Werbung.

Ihre Taschen werden dezenter, während ihre Ausstrahlung stärker wird. Butterweiches Leder, abgenutzte Henkel, eine Form, in die genau das passt, was sie wirklich brauchen. Vielleicht verbirgt sich innen ein Designername, doch der ist für sie selbst da, nicht für Instagram. Seien wir ehrlich: Niemand braucht eine Handtasche, die „Erfolg“ schreit, wenn man bereits Teenager grossgezogen, Pariser Miete bezahlt und herausgefunden hat, wer man eigentlich ist.

5. Hauttonfarbene Strumpfhosen im falschen Ton und mit Glanzfinish

Es gibt eine ganz eigene Art von Verrat, die nur eine schlechte Strumpfhose verursachen kann: der falsche Farbton, zu orange, zu glänzend und im Licht auf die denkbar ungünstigste Weise auffällig. Französinnen über 50 haben genug unbequeme Büroaufnahmen und Spiegelungen in Schaufenstern erlebt, um zu wissen: Manche Dinge sollte man besser nie wieder kaufen.

Entweder wählen sie echtes mattes Schwarz, transparente Strumpfhosen, die wirklich zu ihrem Hautton passen, oder gar keine. Die Beine sollen wie Beine aussehen und nicht wie Plastikpuppen. Sie achten auf Kleinigkeiten, die anderen vielleicht nicht bewusst auffallen, aber die gesamte Silhouette subtil verändern. Genau das unterscheidet das Gefühl, leicht verkleidet zu sein, davon, ganz bei sich selbst zu sein.

6. Überladene, umständliche Kleider, in denen sie nicht sitzen können

Man findet kaum Kleider, für deren Reissverschluss eine zweite Person nötig ist, die einen Spezial-BH, bestimmte Shapewear und einen strategischen Sitzplan verlangen. Sie haben solche Modelle auf Hochzeiten getragen und jede einzelne Stunde bereut. Irgendwann um die 50 beschliessen die meisten Französinnen offenbar: Wenn ich darin nicht atmen, mich bücken, essen und tanzen kann, kaufe ich es nicht.

Das bedeutet nicht schlicht oder langweilig. Es bedeutet Leichtigkeit. Ein Wickelkleid, ein geradliniges Etuikleid, etwas, das sich beim Gehen mitbewegt und beim Sitzen nicht an den falschen Stellen anliegt. Sie haben gelernt, dass Eleganz weit mehr damit zu tun hat, wie frei man sich bewegt, als damit, wie eng ein Kleid sitzt. Die Kleidung dient dem Leben, nicht umgekehrt.

7. Schränke voller „guter“ Kleidung, die nie getragen wird

Es gibt diese britische Gewohnheit, „gute“ Kleidung für einen besseren Tag aufzuheben: den schönen Mantel für besondere Anlässe, den Schal, der zu schade für den Weg zur Schule ist. Französinnen über 50 lassen diese Zeremonie meist aus. Der Seidenschal kommt beim Gang zur Bäckerei zum Einsatz, der gute Mantel beim Abholen von der Schule, die hübsche Bluse in der Warteschlange im Supermarkt.

Sie haben genügend Zeit verstreichen sehen, um zu verstehen, dass es riskant ist, auf den perfekten Moment zu warten. Deshalb teilt sich ihr Kleiderschrank nicht in „echtes Leben“ und „Fantasieleben“. Es ist einfach alles Leben. Darum findet man dort selten makellose, ungetragene Stücke mit Etikett, die am hintersten Ende des Schranks spuken. Kleidung ist dazu da, gelebt zu werden – mit Wein, Krümeln, Lachen und allem, was dazugehört.

8. Slogans und verspielte Prints, die wie ein Kostüm wirken

Mit 50 haben die meisten Französinnen nicht mehr das Bedürfnis, ihre T-Shirts Witze erzählen zu lassen. Kein „Zeit für Wein“, keine erfundenen Bandlogos, keine zufälligen englischen Sprüche, die an der Kasse cool klangen und anderswo nur noch peinlich wirkten. Sie möchten lieber, dass Menschen ihren tatsächlichen Worten zuhören, statt sie von ihrer Brust abzulesen.

Das Gleiche gilt für verspielte Muster. Ein kleines, zurückhaltendes Muster, das nur andeutet, ist in Ordnung; cartoonhafte Kirschen oder riesige Lippen auf einer ganzen Bluse eher nicht. Schlichter Stoff hat eine ruhige Stärke – ein weisses Hemd oder ein marineblauer Strickpullover konkurriert nicht mit ihrem Gesicht. Sie haben lange genug gelebt, um zu wissen, dass ihr Pullover nicht das Interessanteste im Raum sein sollte.

9. Berge von Schmuck, der den Hals grün färbt

Mit zwanzig machte es Spass, auf Strassenmärkten Ohrringe zu kaufen, die weniger kosteten als ein Sandwich. Mit 50 haben die meisten Französinnen dieses Spiel hinter sich gelassen. Die Haut wird empfindlicher, die Geduld kürzer, und dieser leichte Geruch von billigem Metall an den Fingern ist es schlicht nicht wert.

Kleine Schmuckstücke mit echtem Wert

Was man stattdessen in ihrer Schmuckschatulle entdeckt, ist Zurückhaltung. Eine von der Grossmutter geerbte Goldkette, ein schlichter Ring, den sie nie abnimmt, ein Paar Creolen, das zu wirklich allem passt. Vielleicht ein markantes, leicht exzentrisches Stück aus einer kleinen Galerie am Urlaubsort. Nichts Klimperndes, nichts, das Spuren auf der Haut oder am Kragen eines weissen Hemds hinterlässt.

10. Sportkleidung, die sich als Alltagskleidung ausgibt

Leggings auf der Strasse gibt es in Frankreich natürlich, doch eine Frau über 50 sieht man selten dauerhaft in Fitnesskleidung leben. Für Yoga oder einen zügigen Morgenspaziergang am Fluss trägt sie sie vielleicht, aber sie lässt sie nicht den gesamten Kleiderschrank übernehmen. Es gibt eine feine Grenze mit Kordelzug zwischen „Ich gehe zum Pilates“ und „Ich habe bei richtiger Kleidung aufgegeben“.

Ein Teil davon ist kulturell geprägt: Sie sind damit aufgewachsen, dass ihre Mütter sich selbst für einfache Besorgungen „anzogen“. Ein anderer Teil ist Selbstfürsorge. Sie wissen, dass es schwieriger wird zu bemerken, wann man sich in seiner Haut nicht mehr wohlfühlt, wenn man jeden Tag in elastische Kleidung schlüpft. Eine ordentliche Hose und ein Hemd sind eine kleine tägliche Erklärung: Ich nehme mich selbst weiterhin ernst.

11. Laute Farben, die sie nicht wirklich lieben

Französinnen über 50 haben keine Abneigung gegen Farbe, wohl aber gegen Farben, die sie überstrahlen. Der impulsiv gekaufte elektrisch blaue Blazer, weil eine Stylistin im Fernsehen ihn als „Farbe der Saison“ bezeichnete, überlebt die nächste Schrankausmistung nur selten. Im Ladenlicht wirken solche Teile aufregend, unter der eigenen Badezimmerlampe dann seltsam falsch.

Die eigene Farbpalette kennen

In diesem Alter kennen sie ihre Farbpalette so gut wie ihren Lieblingswein. Vielleicht sind es sanfte Neutraltöne mit einem tiefroten Lippenstift. Vielleicht Marineblau und Camel mit einem smaragdgrünen Pullover. Was gerade „angesagt“ ist, löst keine Panik aus, denn über Jahrzehnte haben sie still Beweise gesammelt, welche Farben sie wach, erholt und lebendig aussehen lassen. Alles, was gegen ihren Hautton arbeitet oder ihnen das Gefühl gibt, Verkleiden zu spielen, schafft es nicht in den Schrank.

12. Stücke für „irgendwann“, die nicht zu ihrem echten Leben passen

Hier steckt das eigentliche Geheimnis hinter all dem: Ihre Kleiderschränke spiegeln ihr Leben wider, nicht ihre Fantasien. Man findet keine Reihe formeller Anzüge, wenn sie freiberuflich von zu Hause arbeiten, und keine extrem hohen Absätze, wenn sie in einem Dorf an einem Hügel mit Kopfsteinpflaster und Treppen wohnen. Vielleicht träumen sie davon, die Frau zu sein, die zu Galas geht, aber das Abendkleid kaufen sie erst, wenn die Einladung tatsächlich eintrifft.

Diese Ehrlichkeit hält ihren Kleiderschrank schlank und auf eigentümliche Weise berührend. Denn darin sieht man Fahrten zur Schule, Bürotage, Kunstkurse, Morgen im Café und Wochenmärkte. Man sieht das Leben, das sie sich aufgebaut haben, nicht das Leben, das sie angeblich wollen sollten. Und wenn man den eigenen Kleiderschrank durch diese Linse betrachtet, beginnt man vielleicht ebenfalls, Dinge leise herauszunehmen, bis sich das, was bleibt, plötzlich und verblüffend nach einem selbst anfühlt.

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